„Wir gehen in die Betriebe und sprechen Menschen vor Ort an“ - Thomas Malcherek, HWK Erfurt

Thomas Malcherek, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Erfurt, erläutert, wie das Aufstiegs-BAföG in Thüringen angenommen wird. Das AFBG hat sich dort als Instrument bewährt, das Handwerkerinnen und Handwerkern Karrieren ermöglicht.

Thomas Malcherek

Handwerkskammer Erfurt

Herr Malcherek, welchen Stellenwert hat die Aufstiegsfortbildung in Ihrer Region in Mittel- und Nordthüringen?

Thomas Malcherek: Für uns ist das AFBG ein wichtiges Instrument, das junge Handwerkerinnen und Handwerker sehr gut annehmen, um ihrer beruflichen Karriere einen Schub zu geben. Im Jahr 2019 haben in Thüringen 3.275 Personen das Aufstiegs-BAföG in Anspruch genommen. Die Geförderten waren überwiegend im Alter zwischen 20 und 35 Jahren. Mit 53,9 Prozent haben etwas mehr AFBG-Bezieherinnen und Bezieher die Fortbildung in Vollzeit gewählt, während 46,1 Prozent die Fortbildung berufsbegleitend absolviert haben.

Nach der Reform des AFBG sind die Konditionen ab 1. August 2020 deutlich attraktiver geworden. Denken Sie, dass sich das demnächst auf die Zahl der Anträge auswirken wird?

Thomas Malcherek: Ich bin ziemlich sicher, dass das AFBG in Zukunft noch besser angenommen werden wird. Es sind bahnbrechende Neuerungen, die zu einer Angleichung der beruflichen und akademischen Bildung hinführen. Wir dürfen nicht vergessen, dass junge Handwerkerinnen und Handwerker, die Vorbereitungslehrgänge zur Meisterprüfung absolvieren, finanzielle Einbußen haben und diese werden mit dem neuen AFBG gut abgefedert.

Mit welchen Themen kommen Weiterbildungswillige in Ihre Beratung?

Thomas Malcherek: Es sind vielfältigste Aspekte, die angesprochen werden. Der erste Gedanke gilt der prinzipiellen Entscheidung – will ich diesen Weg gehen und strebe ich die Meisterausbildung an? In diesen Fällen leisten unsere Beraterinnen und Berater eine Art Karrierecoaching. Das Argument, dass unter Meisterinnen und Meistern die niedrigste Arbeitslosenquote unter den Berufstätigen herrscht, ist schon mal ein wichtiger Impuls. Auch über das Thema Nachfolge wird in unseren Beratungen oft gesprochen – der Generationenwechsel will gemeistert werden.

Neben diesen Orientierungsfragen gibt Ihr Team sicher auch handfeste Tipps, oder?

Thomas Malcherek: Selbstverständlich. Wir holen die Interessierten dort ab, wo sie stehen. Wir erläutern die Abläufe, weisen auf Fristen hin und helfen bei der Organisation der Lehrgänge. Wir erklären Schritt für Schritt, worauf zu achten ist und unterstützen in allen Etappen. Sowohl was die Inhalte und Form der Weiterbildung angeht, als auch bei der finanziellen Förderung, etwa durch das AFBG. Ganz konkret: Auch bei den Antragsverfahren helfen unsere Beraterinnen und Berater.

Wie sorgen Sie dafür, dass die Förderung durch das AFBG in Ihrer Region bekannt wird?

Thomas Malcherek: Zum einen beobachten wir, dass viele Interessierte durchaus selbst durchs Internet oder durch Publikationen der Handwerkskammern auf das Förderangebot aufmerksam werden. Zum anderen aber haben wir sehr gute Erfahrungen damit gemacht, aktiv in die Betriebe zu gehen. Wir sprechen die Inhaberinnen und Inhaber an, identifizieren mit ihnen gemeinsam, wo junge Leute mit Potenzial zu finden sind. Das sind keine kurzfristigen Aktionen, wir begleiten die Betriebe auf lange Sicht bei der Personalentwicklung – davon profitieren alle. Denn schließlich ist das Handwerk mit seinen 30.000 Betrieben und 150.000 Beschäftigten eine tragende Säule der Wirtschaft im Freistaat Thüringen. Das soll in Zukunft natürlich so bleiben.