„Macht es einfach!“

Jessica Diehm liebt und lebt ihren Beruf als Intensivkrankenschwester und stellvertretende Stationsleitung am Klinikum Bayreuth. Im Interview berichtet die 36-Jährige, wie sie Vollzeitjob und Weiterbildung mit Unterstützung des AFBG gemeistert hat.

Jessica Diehm

© BMBF

Frau Diehm, was macht Ihren Beruf zu Ihrem Traumberuf?

Jessica Diehm: Ich glaube, es gibt wenige Berufe, die so vielfältig sind wie Pflegeberufe. Der Umgang mit den vielen Patienten, den Angehörigen, aber auch den anderen Berufsgruppen im Krankenhaus – die Aufgaben sind sehr komplex. Nicht zuletzt ist das helfen wollen bei allen in der Pflege stark ausgeprägt. Das ist einer der Hauptgründe, warum wir das machen. Gerade im intensivmedizinischen Bereich ist der Anspruch da, Menschen in einer ganz besonders schweren Situation wieder zu ermöglichen, in den Alltag zurückzukehren. Man darf sich also nicht vor Herausforderungen scheuen.

Sie haben eine Aufstiegsfortbildung absolviert. Was oder wer hat Sie dazu motiviert?

J.D.: Ich wollte schon immer in eine Leitungsposition. Das ging in der Schule los. Erst war ich Klassensprecherin, später dann Schülersprecherin. Ich habe gerne mit organisiert und Abläufe optimiert. Aufgrund der finanziellen und zeitlichen Belastung habe ich mich aber lange nicht getraut, eine Weiterbildung zu machen. Es ist schon ein großer Aufwand neben der normalen Arbeit. Dann hat mir ein Kollege von seiner Weiterbildung und dem Aufstiegs-BAföG erzählt. Mir war bis zu diesem Zeitpunkt nicht klar, dass es das auch im Pflegebereich gibt. Ich habe dann in dem darauffolgenden Jahr die Weiterbildung „Zur Befähigung zur Leitung einer Station“ in Regensburg gemacht und dafür das Aufstiegs-BAföG genutzt.

Was war die größte Herausforderung in dieser Zeit?

J.D.: Die Weiterbildung ging ein Jahr lang. Einmal im Monat musste ich jeweils für eine Woche in die Ausbildungsstätte nach Regensburg. Dies war nicht immer einfach. In der Prüfungs- und Klausurenzeit war es auch schwierig, das Lernen mit einer Vollzeitstelle zu vereinbaren. Aber ich wollte das und fand den Kurs unglaublich gut. Ohne die finanzielle Unterstützung für die Weiterbildung hätte ich zudem die Kosten nicht stemmen können.

Wie hat Sie Ihr Umfeld während der Fortbildung unterstützt?

J.D.: Für meine Kolleginnen und Kollegen war der Aufwand natürlich groß, weil ich einmal im Monat eine Woche weg war. Sie haben mir aber nie Vorwürfe gemacht. Manchmal haben sie geschimpft, wenn ich wiederkam und eine supertolle neue Idee hatte. So nach dem Motto: Jetzt kommt die vom Leitungskurs und will jetzt wieder irgendwelche Mauern einreißen. Letzten Endes haben sie aber gesehen, dass ich viele Aufgaben strukturierter umsetze, viele Gespräche anders führe und alles zielgerichteter angehe.

Was war das für ein Gefühl, als frischgebackene „Aufsteigerin“ ins Klinikum zu gehen?

J.D.: Ich kam schon mit neuer Energie und wollte die Dinge auch so umsetzen, wie ich es gelernt hatte. Ich habe gute Werkzeuge an die Hand bekommen, die ich schon nach jedem Block direkt in der Praxis anwenden konnte, z.B. im Projektmanagement und bei Mitarbeitergesprächen. Auch in Konfliktsituationen habe ich mich einfach besser gewappnet gefühlt. Vorher hatte ich viele Dinge aus dem Bauch herausgemacht.

Wie hat sich Ihr Aufgabenspektrum insgesamt verändert?

J.D.: Ich arbeite nach wie vor am Patientenbett mit, aber die Abläufe und meine Arbeitsweise haben sich verändert. Es fällt mir jetzt leichter, Neuerungen auf der Station zu implementieren. Insgesamt übernehme ich mehr Aufgaben, weil ich glaube, dass ich es kann.

Welche Tipps können Sie anderen mit auf den Weg geben, die eine Aufstiegsfortbildung im Pflegebereich absolvieren möchten?

J.D.: Macht es einfach! Ob man auf Intensivstationen, auf normalen Stationen, im OP oder im ambulanten Pflegebereich tätig ist – das Spektrum, sich unterstützt durch das Aufstiegs-BAföG weiterzuentwickeln, ist groß. Die Pflege braucht starke Führungskräfte. Gerade in Zeiten des Pflegenotstands werden viele Einrichtungen immer mehr zu Wirtschaftsunternehmen. Ich glaube, da ist es gut, wenn die Pflegekräfte mitreden können – auch was das Management eines Krankenhauses angeht. Fortbildungen können einen auch darin stärken, klar Stellung zu beziehen. 

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