„Fort- und Weiterbildung ist niemals verlorene Zeit“ – Jessica Diehm, stellvertretende Stationsleitung am Klinikum Bayreuth

Nachgefragt: Vor fünf Jahren hat Jessica Diehm (40) eine Aufstiegsfortbildung „zur Befähigung zur Leitung einer Station“ absolviert, gefördert durch das AFBG. Ein Gespräch mit einem Energiebündel, dessen Hunger nach Wissen längst nicht gestillt ist.

 Jessica Diehm

Frau Diehm, aus aktuellem Anlass: Sie arbeiten auf einer Intensivstation. Wie hat die Corona-Pandemie Ihren Berufsalltag verändert?

Jessica Diehm: Wo soll ich anfangen? Da gibt es so viele Aspekte. Es war jedenfalls eine krasse Zeit – in jeder Hinsicht. Zeitweise kam es mir so vor, als arbeitete ich im Auge eines Hurrikans. Wir waren ein Corona-Hotspot, unsere normale Station mit zwölf Betten wurde auf 16 aufgestockt, wir hatten ständig neue Herausforderungen zu bewältigen. Wir mussten uns auf eine neue Situation ohne Gewissheiten einstellen, Personal organisieren, mit der Schutzkleidung klarkommen und die körperliche und seelische Belastung der Ausnahmesituation aushalten.

Konnten Sie in dieser Extremsituation auf Kenntnisse zurückgreifen, die Sie damals in der Fortbildung trainiert haben?  

Jessica Diehm: Damals wie heute interessiere ich mich grundsätzlich für flexible Arbeitsprozesse und Mitarbeiterführung. Ich übernehme gerne Verantwortung, bin eine Teamspielerin und kann Menschen motivieren – das war sicherlich hilfreich. Ich bin zufrieden, dass wir in diesen fordernden Corona-Wochen während des Lockdowns unsere Kolleginnen und Kollegen mental gut durch diese Ausnahmesituation gebracht haben. Eine gute Erfahrung für uns alle war, wie wir zusammengerutscht sind – die Ärzte- wie die Pflegeteams.

Zu Ihrer aktuellen beruflichen Situation: Damals haben Sie eine Leitungsstelle angestrebt, konnten Sie den Plan realisieren?

Jessica Diehm: Mit meiner beruflichen Situation bin ich zufrieden, auch wenn es bislang noch nicht mit der Leitungsstelle geklappt hat. Nach wie vor arbeite ich immer noch gerne am Patientenbett. Darüber hinaus engagiere ich mich stark für eine selbstbewusste Pflege, wir dürfen uns als Pflegkräfte nicht so klein machen. Um dem etwas entgegenzusetzen organisiere ich das Bayreuther Intensivsymposium. Dorthin kommen Referentinnen und Referenten aus ganz Deutschland. Uns geht es darum, Wissen zu vermitteln, denn Kenntnisse stärken ja auch das Selbstbewusstsein.

Jenseits der beruflichen Karriere: Ist es Ihnen gelungen, die Aufbruchsstimmung zu konservieren? Sind Sie immer noch weiterbildungshungrig?

Jessica Diehm: Unbedingt. Fort- und Weiterbildung sind ja keine verlorene Zeit, man profitiert in jeder Hinsicht davon. Zuletzt habe ich NLP für mich entdeckt, das Neuro-Linguistische Programmieren. Dabei geht es um Kommunikationstechniken und Methoden zur Veränderung, diese Weiterbildung habe ich privat finanziert und meine Freizeit dafür genutzt. Ich war schon immer jemand, der davon überzeugt ist, dass man das, was man tut, gerne tun sollte und wenn es einem nicht passt, dass man dann neue Wege gehen sollte. Privat wie beruflich. Inzwischen habe ich eine Coaching-Ausbildung abgeschlossen und bin dabei, mich nebenberuflich selbstständig zu machen. Als Mentaltrainerin für Menschen in Gesundheitsberufen kann ich meine Erfahrungen sinnvoll einsetzen.

Nach der Novellierung kann eine AFBG-Förderung nun auch für eine weitere Fortbildung in Anspruch genommen werden, wenn das Fortbildungsziel auf dem bereits erreichten Fortbildungsziel aufbaut. Nicht jeder weiß, dass die so genannte Mehrfachförderung möglich ist. Ist das für Sie interessant?

Jessica Diehm: Ja, das ist eine gute Nachricht. Ich möchte nicht ausschließen, dass ich nochmal auf das Aufstiegs-BAföG zurückgreife, wenn ich wiedermal beruflich den nächsten Schritt gehen möchte. Momentan baue ich ja mein kleines Coaching-Unternehmen auf, es kann gut sein, dass ich eines Tages meine betriebswirtschaftlichen Kenntnisse erweitern muss. Ich habe ja bereits erlebt, dass die Unterstützung durch das Aufstiegs-BAföG mein Leben in finanzieller Hinsicht dann leichter macht.

Ihr Tipp für Menschen, die einen Veränderungswunsch in beruflicher Sicht spüren?

Jessica Diehm: Diesem Wunsch unbedingt nachgehen. Es einfach machen und loslegen. Oft sind es Ängste in finanzieller Hinsicht, die Menschen lähmen. Das Aufstiegs-BAföG ist doch ein wunderbares Instrument, das diese Ängste entkräftet. Wir haben es alle selbst in der Hand, etwas aus unseren Wünschen und Träumen zu machen.

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